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Positionen Globalisierung - nichts für uns Wochenmarkthändler Hamburg, im Juli 2006 Wir leben in der Zeit der Globalisierung. Politisch wird der weltweite Handel gefördert, Institutionen werden geschafft um weltweiten Handel zu ermöglichen, Handelsbarrieren zu Fall zu bringen, Standards produktorientiert zu erarbeiten, Sicherheitssysteme für die einzelnen Produkte zu erstellen usw. Mit viel Energie wird der globale Handel etabliert und als Segen für die gesamte Wirtschaft und der daran profitierenden Bevölkerung verkauft. Doch nicht alle Wirtschaftszweige und unterteilt man die Wirtschaft in unterschiedliche Kreisläufe, nicht alle Wirtschaftskreisläufe entwickeln sich positiv. Wie sieht es mit den einzelnen Wirtschaftskreisläufen aus? Dem regionalen Wirtschaftskreislauf? Dem nationalen Wirtschaftskreislauf? Dem europäischen Wirtschaftskreislauf? Werden diese bei der globalen Euphorie vergessen, kommen sie bei der Entwicklung noch mit? Geraten sie ins Hintertreffen oder profitieren sie von der Entwicklung? Ich habe das Gefühl, dass diese eben genannten Kreisläufe zu Gunsten des globalisierten Kreislaufes enorm an Kraft verlieren, ja sogar geopfert werden. Selbstverständlich! Denn welches Produkt gibt es noch im Handel, welches nicht auf globaler Ebene billiger und in ähnlicher oder gleicher Qualität zu bekommen wäre? Es könnte in unseren Land fast der Eindruck entstehen die Bürger werden nur noch als Konsument gebraucht, nicht mehr als Produzent. Eine Entwicklung mit der wir sicherlich eine Zeitlang gut leben können, bis wir in Abhängigkeiten von anderen Ländern geraten und in der Entwicklung und Produktionstechnik von anderen Ländern überholt werden. Dann wird es bitter. Nun leben wir in einem Exportland und jeder sollte zumindest teilweise von der Globalisierung profitieren. Doch es profitieren nur die Branchen, die sich die Globalisierung zunutze machen können. Andere Wirtschaftszweige, die keine Hochtechnisierung bedürfen und hier gehören alte Wirtschaftszweige wie die Textilindustrie oder die produzierende Landwirtschaft dazu, diese werden nach meinem empfinden geopfert. Denn den Ländern, denen Deutschland etwas verkauft, muss auch etwas abgekauft werden, um unsere Exportprodukte bezahlen zu können. Aus welcher Branche diese Produkte kommen lässt sich Statistisch an der immer geringer werdenden Zahl an Arbeitsplätzen in den einzelnen Branchen, als auch an der Zahl der Schließungen von Produktionsstätten in den letzten Jahre ablesen. In dieser Situation stellt sich doch den betroffenen Unternehmen die Frage, macht es unter diesen Gegebenheiten noch Sinn zu forschen, zu entwickeln, zu produzieren, wenn kurze Zeit später das Produkt aus Billigregionen günstiger zu beziehen ist? Doch auch im Handel in dem weniger innovativen Produkten produziert werden stellt sich die gleiche Frage. Warum sollte ich Zuckerrüben produzieren, wenn das Produkt aus dem Ausland doch billiger zu importieren ist? Unternehmerisch gesehen ist dieser Gedanke vernünftig, wenn auch unbefriedigend oder? EU-wirtschaftlich sollten diese Gedanken schon weniger vernünftig erscheinen. Bundespolitisch schon eher problematisch gesehen werden. Regional schon katastrophale Bedenken auslösen -werden die Auswirkungen betrachtet. Eine Vielzahl von Arbeitnehmern verlieren ihre Tätigkeit und damit ihr Auskommen. Es geht Wirtschaftskraft verloren, auch bei allen Dienstleistern, die davon abhängen, einbezüglich der Kommunen und Ländern, deren Einnahme sich nach Regionen mächtig reduzieren werden. Eine Verarmung vieler Betriebe, Menschen und der Region sind die Folge. Doch es muss doch einen geben, der davon profitiert. Das wird der sein, der in großem Stil, womöglich alleine die vormals im Land hergestellte Ware aus dem Ausland importiert und auf den Markt bringt. Diese Branche hat nun das Geschäft, ehemals vieler, alleine in der Hand und profitiert im Übermaß an dieser so phantastisch globalen Öffnung der Märkte. Die Schere zwischen arm und reich wird dadurch ganz nebenbei noch mal größer. Fertig. Schluss. Nehmt das hin. Ihr wollt doch billige Produkte, dass ist doch die Hauptsache, oder. Seht zu, wie ihr zurecht kommt, dass sind nun mal die neuen Spielregeln. Die den regionalen Wirtschaftskreisläufen eingegliederten Betrieben werden bei dieser Entwicklung empfindlich getroffen und nicht gefragt! Diese Betriebe spielen immer noch nach den Regeln der sozialen Marktwirtschaft. Das Wort „sozial“ hat jedoch auf globaler Eben keine Bedeutung. Es entsteht langsam Widerstand, erkennt mittlerweile sogar der Arbeiter, dass er bei noch so guter Ausbildung und diszipliniertem Einsatz, niemals mehr auf ein konkurrenzfähiges Maß seiner Mitkonkurrenten aus z.B. Fernost kommen wird. Vorher geht sein Arbeitsplatz verloren. Als Verbraucher ist es natürlich toll, billige Produkte zu erwerben, auch wenn in unserem Land keiner mehr von der Produktion dieses Produktes leben könnte. Doch die Folge ist ein Gleichziehen und sozialer Abstieg auf das Niveau der jetzigen Lieferländer. Ostasiatischer Einkauf muss auch bereit sein zu gleichen, sozialen und finanziellen Bedingungen zu arbeiten. Das wird sich so einpendeln, lässt die Politik der Wirtschaft freien Lauf. Im Übrigen beträgt der Stundenlohn in Chinas mittlerweile 3000 Freihandelszonen 0,25 €. Überstunden und teilweise Sonntagsarbeit werden verlangt, jedoch seltenst bezahlt. Das sind doch Aussichten, da freue ich mich doch wenn der in China produzierte Schuh so günstig ist. Doch es geht auch anderes wie z.B. bei Puma und Adidas. Diese werden ebenfalls in Asien zum Großteil billigst produziert, haben aber hier den Preis eines national produzierten Schuhs. Dieser wird verlangt und auch bezahlt. Obwohl für diesen Preis fast ein Schuh eigens angefertigt werden könnte. Warum produzieren diese Firmen diese Schuhe denn nicht gleich hier und lassen das Umfeld der Konsumenten dem Kaufpreis ihren Teil abbekommen? Weil es die Gewinne der Konzerne schmälert –ist doch logisch! Doch die Frage stellt sich auch, wie denkt eigentlich der Verbraucher, der scheint ja wohl völlig bei seiner Verkaufsentscheidung zu versagen? Das Versagen des Verbrauchers ist ein entscheidender Grund für die derzeitige Situation. All das wäre schon komisch, wenn die Situation nicht so ernst wäre. Auch unsere Berufsgruppe leidet unter dieser Politik und dem Einkaufsverhalten des Verbrauchers, doch es ist fraglich, ob ein Umdenken stattfinden wird, oder ob es gewollt ist, denn die Konzentration im Handel vollzieht sind mit gewaltigen Schritten. Die Lebensmittelindustrie und die Konzerne nutzt die Globalisierung und kauft weltweit ihre Artikel ein. Auch im Nahrungsmittelbereich kommen die Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie immer seltener aus unseren Regionen, sondern immer häufiger aus dem asiatischen, afrikanischen, mittel, und südamerikanischen Raum. Nebenbei vergeht kaum noch eine Woche, an der nicht von Übernahmen etc. in den Medien berichtet wird. Es sind in jedem Wirtschaftsbereich die global handelnden Firmen, die den kleinen Betrieben in ihren kleineren Wirtschaftskreisläufen das Leben erschweren, wenn sie es nicht sogar vernichten. Die Weltweit agierenden Firmen haben ihre Lobbyist an den Schaltstellen der Regierungen, auf Länder, Bund und EU-Ebene und wissen es zu vermeiden, dass sich etwas an der aktuellen Politik ändert. Es sollte sich schnell etwas ändern, um nicht wieder gutzumachenden Schaden, bei einer langfristigeren Betrachtung, von unserer Wirtschaft abzuwenden. Hierzu wäre es vorrangig notwendig, dass der einzelne Politiker sich frei von Lobbydenken macht. Auch die Nachteile des weltweiten Handels sollten zum Thema werden, profitieren doch in Wirklichkeit immer weniger Menschen und jene im Übermaß davon. Ein Umdenken muss her, und wieder ein Hin zu einer sozialen Marktwirtschaft, in der kleine und mittelständische Firmen Verantwortung fürs Land tragen dürfen, denn diese Firmen leisten diese Aufgabe schon lange und gerne, sichert sie doch unserer aller Existenz im eigenem Land. Hoffentlich schafft die Politik bald die Rahmenbedingungen, dass nicht global arbeitende Betriebe in unserem Land existent bleiben können. Wilfried Thal |
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